IoA Institute of Architecture

University of Applied Arts Vienna

Erwin Wurm

Erwin Wurm: Gulp

March 15, 2011

... Die Grundbehauptung lautet, dass Wurm das Thema der sozialen Hülle (Kleidung, Lebensmittel, Möbel, Autos, Häuser) vor allem einsetzt, um dahinter die Fragilität von individueller wie kollektiver Identitätsbildung zu verdeutlichen. Die Schichten, die er ebenso metaphorisch wie real um den Körper legt, das extensive Fett- oder Dünnwerden von Dingen und Menschen sind, wie das von ihm praktizierte Weichwerden von Architektur, skulpturale Metaphern für die existenzielle Unsicherheit über die Grenzen des Ichs, über die Frage nach dem Verhältnis zwischen Außen und Innen und über die Dominanz der Dingwelt gegenüber Subjekten, die zunehmend ihres freien Willens beraubt scheinen. Nur in der Abweichung von der Norm, in einer Art anarchischer Devianz gelingt dem Ich der momenthafte Sprung in (s)eine „Eigenheit“. Diese ist allerdings daran geknüpft, dass das Individuum zum einen den sozialen Kontext verlässt, in dem es bisher aufgehoben war, und sich zudem freiwillig den Anweisungen
des Künstlers unterwirft. ...
Stephan Berg